Thema: Reisebericht Friedensflotte Mirno More
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Alt 30.10.2016, 12:23
Konni, im Istrien Forum
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Standard Der Anlass und die daraus entstandene Idee von Mirno More

Der Anlass und die daraus entstandene Idee der Friedensflotte Mirno More


Der Anlass:

Rückblick: Im Sommer 1991 eskalierte im damals auseinanderbrechenden Jugoslawien der lange Konflikt zwischen Kroaten und Serben zum Krieg. Auch Bereiche der dalmatinischen Festlandküste und ihr Hinterland waren umkämpft. Die Gewalt sprang im Frühjahr 1992 auf die jugoslawische Teilrepublik Bosnien-Herzegowina über, später auch auf die überwiegend von Albanern bewohnte Provinz Kosovo, wo der Jugoslawien-Krieg nach dem Eingreifen der NATO schließlich 1999 endete.

Vermutlich rund 130.000 Menschen kamen während des 8jährigen Kriegs ums Leben, überwiegend Zivilisten, darunter natürlich auch Kinder, Frauen und Alte. Um ein Vielfaches höher ist die Zahl der Verletzten, Invaliden und Vertriebenen. Die Ursachen und der Verlauf dieses Krieges waren komplex. Seine unübersichtlichen Fronten durchzogen nicht nur Städte und Dörfer, sondern auch zahllose Familien und spalteten Kinderseelen.


Der Gründer:

Der österreichische Segler Christian Winkler war 34 Jahre alt, als der Krieg begann. Er arbeitete damals bereits einige Jahre in Murter auf einer großen Charterbasis und erlebte aus der Nähe mit, wie eine scheinbar unbeschwerte Urlaubsregion in eine Tragödie hineinrutschte. Aber im Gegensatz zu vielen anderen suchte sich Winkler kein anderes Segelrevier. Stattdessen überlegte er, wie er mit dazu beitragen kann, dass die Völker und Volksgruppen auf dem Balkan bald wieder friedlicher miteinander umgehen. Seine Gedanken setzten bei den Kindern an, und eine kühne Idee reifte heran.


Der Anfang:

Im Jahr 1994 war Waffenstillstand in Kroatien und Christian Winkler nutzte die Chance: Mit 17 Kindern und Jugendlichen aus den verfeindeten Republiken Bosnien, Serbien und Kroatien sowie aus Österreich segelte er auf drei Yachten in der damals fast leergefegten Adria. Diese erste Friedensflotte wurde ein Erfolg; die zweite ein Jahr später musste jedoch kurzfristig abgesagt werden, weil die Kämpfe wieder aufflammten. Das war aber kein Grund für Winkler und seiner tüchtigen Helfercrew, sich entmutigen zu lassen.


Eine Erfolgsgeschichte:

Seit 1996 ist die Mirno More-Friedensflotte ohne Unterbrechung jährlich jeweils in der dritten Septemberwoche in Dalmatien unterwegs. Im Jahr 2013 waren 950 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 18 Ländern auf 10 Yachten dabei, darunter auch mehrere Boote mit Besatzungen aus Deutschland (www.Friedensflotte-bayern.de und der Link von den Österreichern www.friedensflotte.org ) .Bisher konnten insgesamt fast 12.000 Kindern und Jugendliche an den Segeltörns teilnehmen.

Die meisten der Kinder und Jugendlichen in der Friedensflotte kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen oder sind behindert. Einige der Kids sind „normal“ und haben einen intakten Familienhintergrund. Dieser Mix hat eine Brückenfunktion und ist pädagogisch sinnvoll. Ziele der Friedensflotte sind Völkerverständigung, das Einüben von Toleranz und friedlicher Konfliktbewältigung sowie den jungen Teilnehmern Hoffnung und Kraft für ihren weiteren Lebensweg mitzugeben. Heute sind bereits ehemalige Mirno More-Kinder als Erwachsene in der Helfercrew der Friedensflotte aktiv.

Im September 2010 wurde die Arbeit der Friedensflotte in Wien von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon gewürdigt. Aber trotz des Hauptsponsors A1 Telekom Austria ist die Mirno More-Friedensflotte auf weitere Unterstützung angewiesen. Mehr Infos unter: www.mirnomore.org


Nach einem schweren Schicksalsschlag ist Christian Winkler als Obmann bei Mirno More im Jahr 2009 zurückgetreten: Im August 2008 wurden die Söhne Tobias und Nikolas der Familie Winkler vor einem Badestrand bei Vodice von einem Motorboot überfahren. Tobias verlor sein Leben und Nikolas ein Bein. Bei Mirno More ist er heute Ehrenobmann (Obmann = Vorstand).


Nach einer zweijährigen Auszeit arbeitet Christian Winkler nun daran, das erfolgreiche Konzept der Friedensflotte weltweit zu verbreiten: Zahlreiche Friedensflotten sollen rund um den Erdball entstehen und Zehntausende sozial benachteiligte Kinder in den Genuss eines Segelabenteuers kommen. Als Basis zu Realisierung dieses Vorhabens wurde der Verein „World Peace Fleet“ gegründet und als erster Obmann der langjährige Mirno More-Weggefährte Peter Hiller gewählt.

Nach Abschluss der Konzeptionsphase wurde 2012 mit acht Kindern auf zwei Segelyachten das erste Pilotprojekt in Deutschland an der Ostsee veranstaltet. Im Jahr 2013 konnten bereits 25 Kindern an der Friedensflotte Ostsee teilnehmen, und 2014 segelten in Griechenland und in Italien zwei weitere Flotten mit je zwei Yachten. Kontakt und Infos: office@worldpeacefleet.org


Nachhaltiges Sponsoring blieb allerdings bisher aus (Stand 2015). Die Projekte können deshalb meist erst in letzter Minute mit Hilfe eines kleinen Netzwerkes von Mitgliedern und Freunden auf den Weg gebracht werden. Neue Flottengründungen müssen vorerst auf Eis gelegt werden. Vermutlich wird ich bald entscheiden, ob die weltweite Verbreitung der Friedensflotte eine Illusion bleibt oder ob sich finanzkräftige Förderer einfinden, die mithelfen wollen, dass auch diese Vision einmal Realität wird.

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Konni




Wie nennt man Menschen, die montags gut gelaunt sind?
RENTNER!!!


Salz im Haar, Sonne auf der Haut, Meeresrauschen in den Ohren!
DAS IST GLÜCK!


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