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Alt 26.06.2019, 10:58
Egbert offline
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Standard Die Hulk Bellona

Als Hulk bezeichnete man ein ausgemustertes Kriegsschiff, das Franz Karl Ginzkey in seinem Buch „Die Reise nach Komakuku“ (1923) so beschreibt: „... ein gänzlich abgetakeltes und kriegstechnisch entweidetes Ding ..., das mehr Ähnlichkeit mit der Arche Noah als mit einem wirklichen Schiffe hatte. ... Sie standen als Werkstätten, Kasernen und Wohnschiffe in Verwendung, ein Steg verband sie mit dem Ufer, so daß sie eigentlich zu hölzernen Halbinseln geworden waren. An ihren Flanken nisteten Algen, kleine Austern und Miesmuscheln, die Fauna und Flora des Meeres flocht einen Kranz von neuer Lebendigkeit um sie, wenn es auch nunmehr eine andere war, als die eines wehrhaften, stolzbewimpelten, kaiserlich und königlich österreichisch-ungarischen Kriegsschiffes.“

Was hat es nun mit der Hulk Bellona auf sich? Die ausgemusterte, segellose Zweimast-Holzfregatte war, wenn man vom Bahnhof und vom Handelshafen her kommend die Riva entlang ging, als erstes Schiff im Kriegshafen Pola zu sehen. Besonders deprimierend mochte dieser erste Eindruck, den man von der glorreichen k.u.k. Kriegsflotte damit bekam, wohl sein, wenn zwischen den Rahen die Wäscheleinen gehisst waren, an denen „eine Flaggengala von Sommerleiberln, Gattien, Strümpfen und Sacktüchern lustig im Winde wachelte.“ 1)

Die Bellona diente als Überwachungsschiff der Schiffe in erster Reserve 2) und war gleichzeitig Schul- und Wohnschiff. Hier verbrachten unter anderem die Marine-Kommissariatseleven unter – nach heutigen Gesichtspunkten – erbärmlichen Umständen die ersten beiden Jahre ihrer Ausbildung.

Der Abschnitt des Franz-Josef-Kais, an dem das Schiff lag, die der Oliveninsel 3) gegenüber liegende Landspitze, wurde umgangssprachlich „Molo Bellona" genannt und war als Schauplatz regen Seemannslebens eine Landmarke im Hafen. Von hier aus brachten die Tender Material und Arbeiter zu den Baustellen im Hafengebiet, von hier aus wurden die Batterien, Forts und Signalstelllungen rund um den Kriegshafen versorgt. Hier legten die Boote und Dampfbarkassen an, die den Verkehr mit den an Bojen vertäuten aktiven Kriegsschiffen im Hafen aufrecht hielten. „Molo Bellona“ stand also für Einschiffung und Dienst, genauso wie für Landurlaub und Freizeit.

Da sich der Name so sehr eingebürgert hatte, wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert, als die ursprüngliche „Bellona“ nur mehr als Brennholz verwendet werden konnte, auch deren Nachfolger, der ausgemusterte S.M.S. „Kaiser“, in „Bellona“ umbenannt.

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1) Oswald Straub „In memoriam – Erlebtes und Erlauschtes aus dem alten Pola“, Wien o.J. (ca.1929)
2) Nicht alle Schiffe wurden ständig gefechtsbereit gehalten; die Schiffe der ersten Reserve waren jedoch voll ausgerüstet, hatten ständig ein Viertel der Mannschaft an Bord und waren relativ rasch auslaufbereit.
3) Die Oliveninsel ist die Insel, auf der sich heute die Uljanik-Werft befindet.
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