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Alt 11.06.2019, 17:59
Egbert offline
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Standard Spionage! (Teil 1)

Spionage gab es schon bei den Babyloniern, im alten China, bei den Römern usw. Natürlich bedienten sich auch die Habsburger des „zweitältesten Gewerbes der Welt“, und im Lauf der Jahrhunderte gab es dafür in ihrem Reich verschiedene Institutionen mit unterschiedlichen Bezeichnungen.
Um 1850 wurde das dem Chef des Generalstabes unterstellte „Evidenzbureau“ installiert, in dem erstmals Information, Aufklärung und Nachrichtenauswertung vereint waren. Allerdings litt diese Abteilung unter chronischem Geldmangel. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bestand das Evidenzbureau aus einer russischen, einer italienischen und einer Balkan-Erkundungsgruppe, sowie einer Defensiv-, einer Foto- und einer Chiffre-Gruppe. Vor Kriegsausbruch wurde der Personalstand von 28 auf 42 Offiziere aufgestockt. Die Auswertung militärisch relevanter Daten in den einzelnen Gruppen zeigte trotz der bescheidenen Dotierung beachtliche Erfolge.
Seit 1902 gab es in Pola (Pula) ein Marineevidenzbureau, einen eigenen Nachrichtendienst der k.u.k. Kriegsmarine, mit folgenden Abteilungen: Flottenevidenz, Küstenbeschreibung, Kundschaftsdienst (offensiv und defensiv) und Nachrichtensammelstelle Pola. 1909 umfasste das Personal acht aktive Offiziere und ein Hilfspersonal von zehn Mann. Es gab drei Kundschaftsstellen: die zentrale Kundschaftsstelle beim Kriegshafenkommando in Pola; die Kundschaftsstelle in Triest zur Beobachtung des Lagunengebietes bis Venedig und die Kundschaftsstelle beim Militärkommando in Zara (Zadar) für die dalmatinische Küstenregion. Der Kundschaftsdienst der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine konzentrierte sich also in erster Linie auf den Gegner Italien, der seinerseits wiederum seine nachrichtendienstlichen Aktivitäten verstärkte.

In Bezug auf Spionage lebte man damals in Pola ziemlich paranoid, waren doch die Forts und Batterien um die Stadt sowie die Kriegsschiffe im Hafen Erkun-dungsziele potenzieller Gegner. Es gab wiederholt Verhaftungen von „Agenten“, wobei sich oft der Verdacht der Spionage nicht erhärtete. Dem war aber nicht immer so: 1905 führte die Aufdeckung eines Spionagerings sogar zur Ausweisung aller Ausländer aus der Stadt.

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Fotografieren von Kriegsschiffen war strengstens untersagt, und dennoch existieren etliche Fotos und Ansichtskarten solcher Schiffe im Hafen von Pola. Gegen Voranmeldung gab es sogar Führungen im k.u.k. Seearsenal, von dem Oswald Straub schreibt „Es war eine verbotene Stätte, gehütet wie ein Tempel in Tibet. Nur zwei Tore vermittelten den Eintritt, beide bewacht von Zerberussen, die die Eintretenden prüften, so streng wie etwa ein Devisenkontrollor.“ 1)
Jedermann konnte jedoch völlig legal in einem Buchgeschäft den „Almanach für die k.u.k. Kriegsmarine“ kaufen, in dem die Schiffe akribisch beschrieben wurden. Von den Abmessungen über die Maschinenstärke, von der Bewaffnung bis zu Mannschaftsstärke und zum Beschaffungspreis – alles war darin nachzulesen. Verblüffend ist auch, dass das „Polaer Tagblatt“ (zumindest vor Kriegsausbruch) regelmäßig darüber berichtete, welche Schiffseinheiten unter wessen Kommando den Hafen wohin verließen. Die Spione brauchten sich also nur die Tageszeitung zu kaufen und waren bestens unterrichtet.
Einen Höhepunkt erreichte die Spionagehysterie während des Ersten Weltkriegs, als sogar ein Fischereiverbot ausgesprochen wurde, was die ohnehin äußerst angespannte Ernährungslage in Istrien noch weiter verschärfte.

1 )Oswald Straub: In memoriam – Erlebtes und Erlauschtes aus dem alten Pola, Wien o.J. (ca. 1929)
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