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Rätsel, Sagen, Mythen und Bräuche
Erzählungen, Geschichten und Brauchtum in Kroatien

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  #1  
Alt 01.08.2021, 17:49
MarkCaine offline
Kroatien-Fan
 
Kroatien Fan seit: 22.07.2021
Beiträge: 6
Standard Coreolanus-Wrack, Dvigrad, Pazin-Höhle, Baredine-Höhle...Leseprobe: Coreolanus

Hallo, nochmal...nun auch noch die versprochene Leseprobe aus "Die Akte Coreolanus". Ich dachte, ich mache dafür ein eigenes Thema auf, da es ja nicht wirklich zum Kinderbuch und dem Cissa-Abenteuer passt.

"Die Akte Coreolanus" ist ein Action-Thriller mit viel Adventure. Es wird dabei das Geheimnis des Toplitzsees und das Unternehmen Bernhard (bekannt als die größte Geldfälscheraktion des Zweiten Weltkrieges) mit dem Schicksal des Wracks der Coreolanus, eines britischen Spionageschiffes, das vor Küste von Novigrad auf eine Miene lieft, verknüpft.
Für die Handlung sind dabei die istrischen Schauplätze wie die Höhle von Pazin, die Baredine Höhle, die Ruinen von Dvigrad, das Wrack der Coreolanus usw. essentielle Bestandteile und bringen das Abenteuer in die Geschichte.

Die Leseprobe hier stammt mitten aus dem Buch und ist damit naturgemäß völlig aus dem Zusammenhang gerissen (wer eine Leseprobe aus dem Anfang haben will, dem sei ein "Blick ins Buch" auf Amazon empfohlen), aber ich wollte eine Szene als Leseprobe online stellen, die eben das Abenteuer rund um die Schauplätze in Istrien miteinbezieht. Die Szene spielt sich an der Burg von Pazin, in der Pazin-Schlucht und der Pazin-Höhle ab. (Heute kann man dort nicht nur die Burg besichtigen, sondern im Flying Fox auch über die Schlucht sausen und bei einer Höhlen-Expedition mittlerweile sogar die Höhle erforschen...als ich damals die Schauplätze erkundet habe, war dies tatsächlich noch eine ziemliche Wildnis und Schlucht und Höhle noch sehr abenteuerlich...)

Leseprobe aus "Die Akte Coreolanus" von Mark Caine:

Schauplatz: Pazin, Pazin-Schlucht und Pazin-Höhle..:

Lange waren Aleksandra Gugic und Peter Händler auf der Mauer, welche die Schlucht abgrenzte, auf- und abgegangen.
Die kleine Mauer begann genau an der mächtigen, alten Burgmauer und zog sich dann weiter den Rand der Schlucht entlang bis zur neuen Betonbrücke. Zwischen der Burg, der kleinen Mauer und dem Haus, das den Serben als Unterschlupf diente, lag ein weiterer, grösstenteils mit alten Steinplatten gepflasterter Vorplatz. Er konnte vom Dorf her nur über das schmale Gässchen, das zwischen dem Haus und der Festung hindurchführte und sich in Kurven in die Höhe wand, erreicht werden. Bog man um die erste Kurve, erblickte man ein zweites, leerstehendes Haus. Unter einem alten Steinbogen hindurch, der in die über drei Meter hohe, fast festungsähnliche Mauer eingelassen worden war, gelangte man in den Innenhof. Dahinter war der Turm der alten Kirche zu sehen, der im Zentrum des Ortes aufragte.
In der Mitte des Vorplatzes standen, auf einer kleinen Grünfläche gepflanzt, zwei alte, mächtige Bäume mit dichten Baumkronen. Hinter ihnen ging der Vorplatz in ein schmales Sträßchen, das zur Brücke führte, über. Auf der rechten Seite wurde es von einigen alten, leerstehenden Häusern und auf der linken von Büschen entlang des Randes der Schlucht begrenzt.
Die Schlucht fiel steil, oft senkrecht, bis zu einhundertdreißig Meter, gegen die Fojba hin ab. Selbst die steilsten Abhänge waren um diese Jahreszeit von einem üppigen Grün aus hohen Gräsern, Büschen, Sträuchern und Bäumen bewachsen und verunmöglichten einen Blick auf die Fojba. Da sie aber viel Wasser führte, war ihr Rauschen zwischen den mächtigen Felsen in ihrem Bachbett gut hörbar.
Peter Händler deutete auf eine Stelle der Mauer. Hinter ihr fielen die Felsen senkrecht vierzig oder fünfzig Meter ab und verschwanden dann im Grün der Schlucht. Von hier aus konnte er den Vorplatz der Burg und das schmale Gässchen zwischen Burgmauer und dem Haus, das den Stützpunkt von Zelakics Männern bildete, übersehen. Hinter einem der Fenster wusste er den Mann mit dem Präzisionsgewehr.
Peter Händlers nächstes Ziel war die Schlucht selbst.
Der Abstieg begann mit wenigen, alten Steinstufen, die bereits nach wenigen Metern von einem kaum erkennbaren Steilpfad abgelöst wurden. Mit nahezu jedem Schritt wurde er steiler und unscheinbarer. Er war kaum benutzt und bereits stark von üppigem Pflanzenwuchs überwuchert. Der Serbe, der sie begleitete, fluchte in seiner Sprache, als er zum zweiten Mal auf dem feuchten Boden ausrutschte und sich im Brombeergestrüpp verhedderte. Das Gestrüpp lichtete sich bald und wich mächtigen Bäumen, der Weg allerdings wurde zunehmend feuchter, glitschiger und so steil, dass man, ohne auszurutschen, nur weiterkam, wenn man sich an den Baumstämmen, Wurzeln oder herabhängenden Ästen festhielt.
Das Rauschen des Baches war inzwischen zu einem mächtigen Getöse angewachsen, gleichzeitig erfüllte ein stechender, unangenehmer Geruch die Schlucht.
Aleksandra Gugic rümpfte die Nase. »Stinkt ja entsetzlich! Was ist das? Ein Abwasserkanal?«
»Der Eingang zur Hölle!«, erwiderte Peter Händler. »Hier stellte sich Dante Alighieri, als er das Inferno beschrieb, den Eingang zur Hölle vor. Das Wasser ist stark schwefelhaltig, dazu kommt noch diese gräuliche Farbe. Sieht schleimig und wenig einladend aus. Ja, dies ist der Eingang zur Hölle, und wir werden sie betreten!«
Sie hangelten sich weiter zum Fluss hinunter, bis sie einen Felsen, genau über der Fojba, erreichten. Das gräuliche, übelriechende Wasser schoss mit hoher Geschwindigkeit nur wenige Zentimeter unter ihnen vorbei.
»Unglaublich! Die Strömung ist gewaltig!« Peter Händler schüttelte beeindruckt den Kopf. »Im Sommer ist das ein Rinnsal und es ist ganz einfach, über die Felsen, die man jetzt kaum sieht, bis zum Eingang der Höhle zu klettern! Ich denke, der Wasserstand beträgt jetzt an die drei Meter!«
Ein Baumstamm schoss an ihnen vorbei, verschwand in den Fluten.
Die Kroatin sah ihn ungläubig an. »Und Sie haben die Fojba wirklich schon betaucht?«
Er nickte. »Vor drei Jahren schrieb ich einen Artikel für ein kleines Tauch- und Abenteuermagazin. Allerdings betrug damals der Wasserstand weniger als einen Meter und die Strömung war weit geringer. Es wird ziemlich riskant werden, die Höhle ist größtenteils bis an die Decke mit Wasser gefüllt. Ja, es wird ein richtiger Höllenritt!« Er grinste gequält, dann fragte er besorgt: »Können Sie wirklich gut tauchen, Aleksandra?«
Sie sah ihn mit einer Mischung aus Verwunderung und Empörung an. »Ich trainierte mit den kroatischen Militärtauchern! Große Tiefen, lange Tauchzeiten, starke Strömungen, Höhlen, Nachttauchen in gefährlichem Gelände – das ganze Programm! Wenn auch ausschließlich im Meer. Ein solches Gewässer allerdings betauchte ich noch nie! Nun gut, wo ist hier der Eingang zur Höhle?“
»Sehen Sie dort hinten die Steilklippen?« Er deutete auf den oberen Rand der Schlucht, der diese vorne begrenzte. »Diese Steilklippen fallen senkrecht ab! Am Fuß der Felswand öffnet sich die Höhle! Die Entfernung von hier aus beträgt vielleicht zweihundert Meter! Dazu kommt noch, dass das Bachbett voller riesiger Steine ist!«
Sie nickte nur. Ihr war anzusehen, dass sie sich nicht ganz wohl fühlte, als ihre Blicke dem reißenden, unansehnlichen und übelriechenden Bach folgten.
»Vielleicht«, warf Peter Händler plötzlich ein, »sollten wir den Plan nochmals überdenken! Ich bin vom hohen Wasserstand und der Wucht der Strömung selbst ein wenig überrascht!«
»Wissen Sie es oder glauben Sie nur, dass es betauchbar ist?«
Er zögerte. »Ich kann es schaffen. Aber wenn Sie ...«
»Ach, vergessen Sie’s! Es gibt kein Zurück! Wir machen es einfach! Sehen Sie es einfach so: Hier unten können wir immerhin nicht erschossen werden!«
»Dann müssen wir einfach nur den Tauchgang überleben! Fast wie ein Strandspaziergang!« Er lächelte, aber es war ein ernstes Lächeln.
Es würde der schwierigste und gefährlichste Tauchgang seines ganzen Lebens werden. Er musste sich nicht nur um sich sorgen. Er war auch für die Kroatin verantwortlich. Diese Sorge bedrückte ihn, zugleich aber gewann er aus dieser Verantwortung ihr gegenüber auch Stärke.
32


16. Mai 2005, 21:30 Uhr
Pazin, Istrische Halbinsel

Andrej Cizek war dabei, zu verzweifeln.
Sein Abendessen lag noch immer auf dem Schreibtisch. Er hatte nur lustlos darin herumgestochert, aber kaum gegessen. Die meiste Zeit lief er im Büro auf und ab, starrte auf die mit seinen Notizen bekritzelte Tafel, stürmte manchmal auf den Flur hinaus, um seinen Männer Befehle zu erteilen oder sich den immer öfters wiederholenden Fragen zu stellen. Dabei wurde sein Tonfall wirscher, während die Anrufe seiner Vorgesetzten in Zagreb zahlreicher und deren Fragen unangenehmer wurden.
Auch die Fahndung nach dem geraubten Opel war bisher erfolglos verlaufen. Und von Aleksandra Gugic fehlte weiterhin jede Spur.
Dann, kurz nach halb zehn, läutete das Telefon.

»Eine Falle? Vielleicht! Die Frage ist nur, für wen!«, erwiderte Jovan Tomasevic auf die Anmerkung eines seiner Söldner.
Vor weniger als drei Minuten hatten sie das Gespräch zwischen Peter Händler und dem istrischen Polizeikommandanten Andrej Cizek abgehört. Jetzt saßen sie zu viert im Wagen und rasten bereits in Richtung der genannten Telefonzelle.
Sie mussten – und würden – vor der Polizei dort sein.

Gemeinsam hörten die Briten das kurze Gespräch zwischen Peter Händler und der Polizei mit. Der Österreicher war nervös, abweisend, nannte hastig den Ort der Telefonzelle, wo sie einen Zettel finden würden, und legte, als der Polizist nachhaken wollte, einfach auf.
Ridgeways Leute wunderten sich über den Ort, an dem sie sich aufhielten. Aber er, George Ridgeway, hatte das Kommando.

Einer von Zelakics Männern beobachtete aus der Ferne die Telefonzelle, neben der jetzt ein ziviles Fahrzeug abbremste. Ein Mann sprang heraus, betrat die Zelle und durchsuchte sie hastig nach dem Zettel. Dann stieg der Mann wieder ins Fahrzeug und raste davon.
Nachdem sich der Serbe vergewissert hatte, dass ihn niemand beobachtete, lief er zur Telefonzelle und fand dort wie erwartet einen anderen Zettel vor. Er tauschte ihn aus und lief dann zu seinem Beobachtungsposten zurück. Nur fünf Minuten später kamen die Sirenen der Polizei, begleitet von zuckendem Blaulicht, näher. Drei Einsatzfahrzeuge hielten schließlich, mit quietschenden Reifen, bei der Telefonzelle.
Der Serbe griff nach dem Funkgerät und sprach leise in das kleine Mikrofon, welches der Freisprechanlage eines Mobiltelefons glich.
»Die Charade läuft!« Mehr sagte er nicht.

»Diesmal liegt die Charade bei uns! Danke, Aleksandra!« Peter Händler war aufgeregt, nervös, aber er fühlte sich besser, beinahe erleichtert. Er wollte es einfach hinter sich bringen und nichts erschien ihm mühsamer und quälender als dieses Warten.
Er und Aleksandra standen auf der kleinen Mauer. Sie trugen unter ihrer Alltagsbekleidung einen Neoprenanzug und auch das Klettergeschirr, das sie auf sich hatten, versuchten sie, so gut als möglich zu verbergen. In einer Hand hielt er den Koffer mit all den Papieren, in der anderen eine Pistole, die er auf den Kopf der Kroatin richtete.

Der Hubschrauber war auf einem entfernteren Hügel gelandet.
Zwei Männer liefen zur Brücke, welche, vierhundert Meter von der Burg entfernt. sich über das Fojba-Tal spannte, Nun lagen die Männer, mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet, auf der Brücke, ihre Präzisionsgewehre mit Schalldämpfern im Anschlag. Und auch die Zielfernrohre waren mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet.
Ihre Targets waren in seltsam grünlich-rötliches Licht getaucht, die Umrisse hingegen scharf und klar. Im Fadenkreuz hatte der eine von ihnen den Kopf von Peter Händler, der andere jenen von Aleksandra Gugic.

Der Vorplatz der Burg war dunkel.
Zelakics Männer hatten die Beleuchtung, die für gewöhnlich die mächtigen Burgmauern in majestätisches Licht tauchte, sabotiert. Zudem verhüllten Wolken das Mondlicht und das Funkeln der Sterne.
»Sie sind da«, flüsterte die Kroatin Peter Händler ins Ohr. Auch er hatte gehört, wie ein Wagen anhielt und dessen Motor verstummte. Der Wagen musste am kleinen Parkplatz unterhalb der Burg stehen geblieben sein.

Die vier Serben schritten langsam das dunkle Gässchen, der hohen Steinmauer der Festung entlang, hinauf in Richtung des Vorplatzes der Burg und der Schlucht. Unter ihren Mänteln und Jacken trug jeder von ihnen eine STG 77.
»Wir haben sie im Visier«, vernahm Jovan Tomasevic, der vorausschritt, die Stimme aus dem Kopfhörer, der in seinem Ohr steckte. »Sie stehen am Rand der Schlucht. Wir müssen vorsichtig sein. Wenn sie in die Schlucht stürzen, ist der Koffer verloren. Sonst keine verdächtigen Bewegungen.«
Die Stimme gehörte einem der beiden Männer auf der Brücke.
Tomasevics Finger lag am Abzug der Pistole, die in seiner Manteltasche steckte.

»Wir haben sie im Visier. Vier Männer kommen die Gasse hoch. Zwei Scharfschützen auf der Brücke!«, sagte einer von Zelakics Männern. Er lag in Deckung auf dem mit roten Tonziegeln bedeckten Dach der Burgmauer. Von hier aus konnte er das ganze Gelände zwischen Burg und Schlucht bis hin zur Brücke überblicken.
Neben ihm lag noch ein Mann. Auch dessen Waffe war, genau wie seines, ein Präzisionsgewehr mit Schalldämpfer und Nachtsichtzielfernrohr.

Es herrschte Stille.
Es war so still, dass Peter Händler glaubte, sein Herz schlagen zu hören.
Dann drangen gedämpfte Schritte an sein Ohr, ein Knirschen von Kies unter den Füßen der vier Männer. Dank winzigen Kopfhörern hatten auch der Österreicher und die Kroatin die Meldung des Agenten mitgehört.

Jovan Tomasevic bedeutete zwei seiner Männer, zurückzubleiben. Sie blieben hinter der Biegung, bevor die schmale Gasse in den Vorplatz der Burg überging, stehen, öffneten ihre Mäntel und hielten die STG 77 bereit.
Jovan Tomasevic trat auf den weiten Platz hinaus. In der Dunkelheit konnte er nur die Umrisse von zwei Gestalten ausmachen. Er blieb stehen und rief ihnen in englischer Sprache zu: »Kroatische Polizei! Herr Händler! Wir wollen Ihnen helfen! Sie werden von uns nicht mehr verfolgt! Kommen Sie zu uns!« Er hatte betont ruhig gesprochen und schritt nun langsam über den Platz. Seine Hand umschloss jetzt noch fester den Griff der Pistole.
Jetzt war er nur noch zehn Meter von den zwei Gestalten entfernt.
Dann verwandelte sich der Ort zu dem Eingang der Hölle, als den Dante ihn beschrieben hatte.

Einer der beiden Männer auf der Brücke hatte für einige Augenblicke sein Target – Aleksandra Gugics Kopf – nicht mehr im Visier, als er mit dem Nachtzielfernrohr die Umgebung überprüfte. Dabei erfasste er eine unscheinbare Bewegung auf dem Dach der Festungsmauer. Für den Bruchteil einer Sekunde erstarrte er, dann drückte er den Abzug und keuchte eine Warnung in das kleine, vor seinem Mund hängende Mikrofon des Funkgerätes: »Eine Falle! Es ist eine Falle!«
Kein Schuss war zu hören, nur das Splittern und Zerbrechen von Dachziegeln, gefolgt von einem unterdrückten Aufschrei. Einer von Zelakics Agenten rollte getroffen zur Seite, schaffte es nicht mehr, sich festzuhalten, stürzte über Dachrinne und landete mit einem dumpfen Aufprall im Innenhof der Burg. Er war sofort tot.
Sein Kamerad sprach hastig in das Funkgerät, während er das Feuer in Richtung der Brücke eröffnete – er hatte das Aufblitzen des Schusses gesehen.
Noch im Sprung riss Jovan Tomasevic die Pistole aus der Manteltasche und schoss auf die beiden Gestalten, die noch immer auf der kleinen Mauer standen.
Peter Händler und Aleksandra Gugic sahen, wie es von zwei Seiten aufblitzte und sie hörten, wie Geschosse an ihnen vorbeipfiffen, Querschläger durch die Luft sausten.
Dann sprangen sie in die Tiefe.

Drei Polizeifahrzeuge rasten mit Blaulicht, aber ohne Sirenen, durch die menschenleeren, nächtlichen Gassen des kleinen Ortes. Sie bremsten erst auf dem kleinen Dorfplatz brüsk ab, den eine mit Natursteinen errichteten Kirche, alte Häuser, ein Ziehbrunnen aus Stein und drei großen Kastanienbäumen umschlossen. Nach und nach wurden, wenn auch nur zögerlich, Fensterläden geöffnet und neugierige Gesichter zeigten sich in den Fenstern. Doch auf dem Platz selbst war keine Menschenseele mehr zu sehen.
Andrej Cizek sprang aus einem der Fahrzeuge und fluchte.

Der Hubschrauber stieg hinter dem Hügel auf und war bereits im nächsten Augenblick über der Brücke. Ein Scharfschütze lehnte sich aus der offenen Tür, das Sturmgewehr im Anschlag. Sowohl er wie auch der Pilot waren in ständigem Funkkontakt mit den Männern am Boden. Auf der Brücke wie vom Dach der Burg sahen auch sie es aufblitzten.
»Händler ist in die Schlucht gesprungen! Aber er hängt an einem Seil! Schießt ihn ab!«, vernahmen sie den Befehl von den Männern auf der Brücke.
Der Pilot zog den Hubschrauber im Tiefflug über die Brücke und in die bedrohliche Enge zwischen die Felsklippen des Canyons. Dank des Nachtsichtgerätes erkannte er zwei Gestalten, die sich hastig an einem Seil in die Tiefe hangelten. Der Scharfschütze zielte auf die Gestalten aus und drückte ab.
Auf dem Vorplatz übertönte das Knattern des Hubschraubers jetzt jedes andere Geräusch. Unablässig blitzte von allen Seiten Mündungsfeuer auf. Zwei Scharfschützen schossen, nachdem sie die Fensterscheiben des Hauses zerschlagen hatten, mit gezielten Salven auf Jovan Tomasevic, der hinter einer Laterne und einem niedrigen Randstein nur wenig Deckung fand.
Der Mann auf dem Dach der Burg versuchte, mit seinem Präzisionsgewehr die Männer auf der Brücke in Schach zu halten, während zwei serbische Agenten das Tor zur Burg aufstießen und aus dem Innenhof stürmten. Tomasevic wirbelte herum und feuerte in der Drehung eine Salve auf die beiden ab. Sie fielen hin und wälzten sich blutüberströmt auf dem Boden.
Der Mann, der neben Tomasevic gewesen war, lag ausgestreckt auf dem Pflaster. Blut lief aus seinem Hinterkopf. Er war tot.

Goran Zelakic kauerte hinter einer Hausecke.
Er wollte hinauf zum Vorplatz, wurde aber von den Geschossen aus den STG 77 der beiden Männer, die Tomasevic zurückließ, in Schach gehalten. Einer von ihnen schrie plötzlich auf, sackte, indem er nach vorne fiel, zusammen und krümmte sich am Boden. Eine Kugel hatte seinen Bauch getroffen und den Darm zerfetzt – die schmerzhafteste Schusswunde. In wilden Zuckungen wand er sich. Er würde in wenigen Minuten an inneren Blutungen sterben. Doch so lange dauerte es nicht.
Sein Kamerad legte ihm den Pistolenlauf auf die Stirn und drückte ab. Dann rollte er sich hinter den Leichnam und feuerte ein ganzes Magazin auf Goran Zelakic und die beiden anderen Männer ab, die aus dem Haus auf ihn zuliefen.

»Schneller! Schneller! Wir müssen die Bäume erreichen!«, schrie Peter Händler aufgeregt. Mit einem einzigen Satz sprang er einige Meter die Felswand hinunter, bis das Kletterseil ihn wieder auffing. Der Koffer, den er an einem Gurt befestigt hatte, schlug ihm bei jeder Bewegung hart in die Seite. Aleksandra Gugic blieb auf gleicher Höhe wie er und erstaunt stellte er fest, welch eine ungewöhnlich gewandte Kletterin sie war.
Der Lärm der Rotorblätter in der engen Schlucht war unglaublich laut und furchteinflößend zugleich. Aus einer Seite des Hubschraubers blitzte es in Abständen von Sekundenbruchteilen ununterbrochen auf. Ringsum, über und unter den Flüchtenden prallten Geschosse pfeifend von den Felswänden ab, flogen Steinsplitter umher und trafen die beiden.
Hastig, so schnell es die Sicherung des Kletterseils erlaubte, sprangen Aleksandra Gugic und Peter Händler in die nächtliche Tiefe. Noch zehn Meter bis zu den Bäumen. Der Hubschrauber war jetzt so nahe, dass sie glaubten, von den Rotorblättern zerfetzt zu werden. Ihr Wind drückte sie gegen die Felswand und erschwerte das Abseilen. Für den Schützen würde es ein Leichtes werden, sie gleich abzuschießen. Nur der enge Canyon, die unruhige Flugbahn des Hubschraubers und viel Glück – unendlich viel Glück – hatten sie bisher davor bewahrt.
Peter Händler spürte plötzlich, wie die Kroatin ihm die Pistole aus der Hand riss. Im nächsten Augenblick feuerte sie, ohne zu zielen, auf den Hubschrauber.

Goran Zelakic arbeitete sich auf die klassische Weise Meter für Meter an den Söldner, der sie noch immer in Schach hielt, heran. Er rannte los, während die beiden anderen ihm Feuerschutz, ging in Deckung und feuerte seinerseits. So wechselten sie sich ab und der Söldner, nun unter Dauerbeschuss, schaffte es kaum noch, hinter der Leiche aufzuschauen. So feuerte er, ohne zu zielen, blindlings über den toten Kameraden hinweg, dessen Körper durch die unzähligen Einschüsse nur noch eine unkenntliche Masse aus Blut, Fleischfetzen und austretenden Eingeweiden war. Nichts mehr erinnerte an einen Menschen.
Einer der beiden Männer, die mit Zelakic vorrückten, sackte plötzlich, während er aufsprang, zusammen, und Blut spritzte aus seinem Oberschenkel. Zelakic sprang seinerseits auf und rannte los. Dabei schoss er eine langanhaltende Salve auf den Söldner ab. Und als er genug nahe bei ihm war, feuerte er nochmals auf den Gegner.
Die Projektile drangen dessen Kopf, Schultern, Nacken und Rücken ein.

Die Kugeln schlugen immer dichter vor oder hinter Jovan Tomasevic ein – die Scharfschützen schossen sich auf ihr Ziel ein. Doch der Killer wartete kühl den nächsten Schuss ab und hechtete dann, in einem gewaltigen Satz, unter den Torbogen der Burg. Nur wenige Zentimeter neben seinem Kopf bohrten sich zwei Projektile in das alte, dicke Holz des Burgtors.
Doch nur Augenblicke später hatte er sich durch das einen Spalt geöffnete Tor geschlängelt, zog es hinter sich zu und schob den Riegel vor. Dann fluchte er, obwohl eigentlich keine Zeit dafür war.
Das war keine Falle der Polizei gewesen. Und auch nicht eine der Briten.
Der Einsatz war komplexer geworden.

Der Hubschrauber stieg auf; die Schüsse hatten ihn zu einem Ausweichmanöver gezwungen.
Dies verschaffte den Flüchtenden die nötige Zeit, um mit zwei weiteren, gefährlich weiten Sätzen die Büsche und Bäume zu erreichen, wo der Fels in einen bewachsenen Steilhang überging. Schnell turnten sie am Seil weiter in die Tiefe, fanden auf dem steilen, glitschigen Untergrund aber kaum Halt, und Äste und Dornenzweige schlugen ihnen ins Gesicht. Hier wurde der Abstieg immer schwieriger und mit jedem Sprung noch dunkler, bis sie nichts mehr sahen. Sie hörten die Schüsse nicht, aber sie glaubten zu spüren, wie um sie herum die Kugeln aus dem Sturmgewehr des Schützen einschlugen.
»Zieh hoch, zieh hoch! Vielleicht habe ich diesmal Glück!«, brüllte der Schütze ins Mikrofon des Funkgerätes, während er ein neues Magazin hervorholte und nachlud.

Goran Zelakic und sein Begleiter stürmten durch die schmale Gasse zum Vorplatz. In dem Augenblick, als sie um die Ecke bogen, schlugen Kugeln in der Festungsmauer neben ihnen ein, und die beiden warfen sich zu Boden – der Scharfschütze auf der Brücke hatte sie im Visier. Zelakic überblickte den Platz. Was er sah, war der Tod. Er sah den mitten auf dem Platz ausgestreckt daliegenden Söldner und seine beiden Kameraden vor dem Burgtor. Was er nicht sah, war Tomasevic. Keine Spur von ihm.
Dann erfüllte plötzlich der Lärm des Hubschraubers den Platz und Zelakic musste dagegen anschreien, als er in sein Funkgerät fluchte: »Verdammt, könnt ihr die Scharfschützen auf der Brücke nicht endlich ausschalten? Und wo ist Tomasevic? Und was ist mit dem Österreicher?«
Die einzige Antwort, die er erhielt, waren weitere Geschosse, die vor ihm und seinem Begleiter auf dem Pflaster aufschlugen. Dann blitzte es in den Fenstern mehrere Male auf – die Scharfschützen im Haus nahmen die Männer auf der Brücke unter Beschuss.
»Tomasevic ist in den Innenhof der Burg geflüchtet!«, rief einer der Scharfschützen in sein Funkgerät. »Kein Kontakt zu Händler und Gu … Scheiße!« Er brach ab, als sein Kamerad, der aus einem Fenster daneben feuerte, mit blutüberströmtem Gesicht nach hinten kippte.
»Dusan hat’s erwischt! Er ist tot!«, fluchte der Scharfschütze, zielte und schoss wutentbrannt in Richtung der Brücke.

Peter Händler und Aleksandra Gugic hatten alles mitgehört. Keuchend meldete die Kroatin über Funk: »Haben Wald erreicht! Werden noch immer vom Hubschrauber aus beschossen! Keine Ausfälle, keine Verletzungen!«

Jovan Tomasevic entdeckte das Kletterseil sofort, das vom bedachten Wehrgang der Festung herabhing. Er blickte hinauf und bemerkte den Mann, der im gleichen Augenblick, als sich ihre Blickte trafen, herumwirbelte. Aus dessen Waffe blitzte es drei-, viermal auf, doch Tomasevic war schneller. Das Gewehr des Schützen klapperte über die Tonziegel, fiel dann vom Dach in den Hof; bei seinem Aufprall löste sich ein Schuss, ohne jemanden zu treffen. Der Schütze selbst blieb bewegungslos auf den Ziegeln liegen.
Tomasevic schlich auf die Leiche des vom Dach gestürzten Agenten zu, nahm ihr das Klettergeschirr ab, legte es an und hakte sich mit einem Karabiner in das Kletterseil ein. Als er bereits vier, fünf Meter die Burgmauer hinaufgeklettert war, erschütterte plötzlich eine mächtige Explosion die Umgebung.

Peter Händler und Aleksandra Gugic hakten sich hastig vom Seil los, rollten zur Seite und pressten sich an einen Baumstamm, um hinter ihm Schutz zu suchen. Projektile schlugen überall ein, rissen Äste und Zweige ab, Dreck spritzte hoch, Querschläger jaulten.

Zum dritten Mal klingelte Andrej Cizeks Mobiltelefon.
Und zum dritten Mal brach Andrej Cizek die Verbindung ab. Die Anrufe über Funk waren ihm schon unangenehm, jene über das Telefon – noch dazu mit unterdrückter Nummer – noch unangenehmer. Er konnte jetzt nicht telefonieren.
Nervös schritt er über den von der Polizei umstellten Platz und fragte sich, was geschehen war. Hatte der Österreicher seine Meinung etwa geändert? Hatte er gar Gugic getötet? Zum wohl zwanzigsten Mal blickte der ehemalige Militäroffizier auf den Zettel aus der Telefonzelle. Der Name des Ortes, der Platz, der Brunnen – genauso war alles darauf bezeichnet.
»Sollen wir die Aktion abbrechen?«, fragte einer der Männer.
Andrej Cizek überlegte.

Der Hubschrauber zog hoch, um dem Schützen eine bessere Sicht zu ermöglichen – ein verhängnisvoller Fehler.
Der Scharfschütze im Haus sah das Cockpit des Hubschraubers über den Dächern auftauchen, wirbelte herum und drückte den Abzug des Präzisionsgewehres.
Der Kopf des Piloten wurde von der Wucht des Schusses nach hinten geschleudert, Blut strömte über sein Gesicht und der Hubschrauber begann zu trudeln. Dann zerbarst das Cockpitfenster unter den weiteren Treffern. Der Schütze des Hubschraubers versuchte, in das Innere zu gelangen, dabei glitt ihm sein Gewehr aus den Händen.

Peter Händler und Aleksandra Gugic knieten im Schutz der Baumkronen auf einer Felskante, genau über der reißenden Fojba. Hastig befreiten sie sich aus dem Klettergeschirr. Er schnallte sich den Koffer am Bauch fest. Doch sich der Kleidung zu entledigen, dafür blieb für beide keine Zeit. Auf dem Felsen lagen – wie vereinbart – zwei Pressluftflaschen mit Tauchwesten und Atemreglern, Bleigurte waren nicht notwendig.
Über ihnen donnerte noch immer der Hubschrauber, dessen Rotorblätter die Baumkronen peitschten, durch die plötzlich ein Gegenstand fiel.
Granaten!, dachte Aleksandra Gugic entsetzt und riss Peter Händler zu Boden. Ein Sturmgewehr schlug neben ihnen auf, es blitzte auf und krachte im gleichen Augenblick – ein Schuss hatte sich beim Aufprall gelöst.
Die Kroatin und der Österreicher rappelten sich wieder auf und legten sich eilig die Tauausrüstungen an, denn nur eine Sekunde später verwandelte sich die Schlucht ganz in Dantes Inferno.
Der Hubschrauber stürzte, zur Seite kippend, ab. Rotorblätter streiften einige Äste, zerhackten sie zu dünnen Spänen und wirbelten sie durch die Luft. Sekundenbruchteile später berührten die Rotorblätter Fels und Pflaster, Funken stoben, dann krachte der Hubschrauber auf die Mauer – genau dort, wo vor wenigen Minuten noch Peter Händler und Aleksandra Gugic gestanden hatten.
Der Lärm war ohrenbetäubend, als der Hubschrauber aufprallte, die Rotorblätter sich verbogen und abbrachen. Für einen Augenblick war es, da der Motorenlärm erstorben war, fast still. Dann detonierten die Tanks und die Munition. Ein gewaltiger Feuerball stieg in die Höhe, Metalltrümmer flogen durch die Luft, regneten herab und schlugen überall auf dem Platz ein.
Zelakic und sein Begleiter wurden von der Wucht der Explosion zu Boden geschleudert. Fensterscheiben gingen zu Bruch, und der Scharfschütze, der den Piloten abgeschossen hatte, wurde, während er sich duckte, von Glassplittern übersät.

Die Druckwelle der Explosion schmetterte Tomasevic gegen die Wand aus Steinquadern. Er schrie verzweifelt auf, während er die Stimme eines der Männer auf der Brücke vernahm. »Der Hubschrauber wurde abgeschossen! Wir müssen weg!«
»Haltet sie in Schach! Ich muss hier weg!«, brüllte Tomasevic in sein Mikrofon, während er weiter hinaufkletterte und schließlich die Dachrinne erreichte.

Der Feuerball erhellte die Schlucht taghell.
Peter Händler und Aleksandra Gugic starrten hinauf. Sie sahen, wie sich das Wrack in einer weiteren, kleineren Explosion hob und dann von der Mauer in die Schlucht kippte.
»Scheiße!«, entfuhr es Peter Händler und mehr instinktiv als überlegend griff er nach den zwei Taucherbrillen, die noch auf dem Felsen lagen. Im nächsten Augenblick warf sich die Kroatin auf ihn und beide stürzten kopfüber, aus zwei-, drei Metern, in das brodelnde, übelriechende Wasser der Fojba.
Flammen schlugen aus dem in die Tiefe stürzenden Wrack, das durch die Baumkronen krachte. Einige Teile des Hubschraubers verfingen sich im Geäst, andere wurden abgerissen, flogen durch die Luft und verschwanden im Dunkel der Schlucht. Das brennende Cockpit selbst überschlug sich noch zweimal, krachte auf den Felsen, wo die Kroatin und der Österreicher eben noch knieten, und fiel in den Bach, begleitet von den Überresten eines zerrissenen, angebrannten Leichnams.

Aleksandra Gugic klammerte sich an Peter Händlers Tauchweste, dann ging alles schnell.
Fluten wirbelten die beiden herum, zogen sie in die Dunkelheit hinunter, Tauchflaschen schlugen hart gegen die riesigen Felsbrocken, genauso wie Knie, Beine, Füße und Arme. Und ein unheimliches Geräusch – Metall knirschte gegen Stein – folgte ihnen: Die Strömung riss die Überreste des Cockpits mit sich.
Irgendwie schaffte er es, genügend Luft in die Tauchweste zu pumpen, um sie beide an der Wasseroberfläche zu halten. Sie schluckten das eklige Wasser, spuckten aus, schluckten wieder, um wieder auszuspucken und nach Luft zu schnappen. Die Stahltrümmer kamen näher und näher.
Noch immer kämpfte er mit den Schläuchen seines Atemreglers, versuchte, diesen irgendwie in den Mund zu kriegen. Dann war die Felswand bereits vor ihnen.
Ein gewaltiger Sog riss die beiden in die Tiefe und saugte sie in einen Schlund aus Felsen – genauso wie das Wrack. Sie fühlten es an den Beinen, spürten, wie es sich gegen sie presste und sie jeden Augenblick überrollte. Blieb nur die Frage, ob sie zuerst ertrinken und dann überrollt und aufgespießt würden – oder beides zusammen.
Alles begann sich zu drehen, und wie in einem Albtraum, der einem klaustrophobischen Höllenritt glich, rissen die Fluten sie beide durch den Canyon des Höhleneingangs. Links von ihnen, rechts von ihnen, über ihnen, unter ihnen, überall war Fels; sie prallten dagegen, tauchten unter, schluckten noch mehr Wasser, schnappten verzweifelt nach Luft. Dann wälzte sich das Stahlgerüst über sie hinweg. Der Tod würde nur noch eine Frage von Sekunden sein, als sie spürten, wie sie nach oben geschwemmt wurden.
Mit geschlossenen Augen strampelten sie weiter, hielten sich aneinander fest, während Stahl an ihren Beinen scheuerte. Dann schoss das Wrack an ihnen vorbei.

Irgendwie schafften sie es, in ruhigeres Wasser zu gelangen.
Es war so dunkel, dass sie nichts wahrnahmen, aber Peter Händler wusste, wo sie waren. Nach einigen Metern ging die Höhle in einen größeren Hohlraum über, der sich im Frühling mit Schmelzwasser füllte und einen unterirdischen See bildete. Sie schwammen immer weiter, bis ihnen das Wasser nur noch bis zu den Knien reichte. Erschöpft setzten sich die beiden hin. Er spuckte heftig aus, die Kroatin erbrach sich.
In der Höhle war der Gestank des Wassers noch unerträglicher, doch aufgrund der gegenwärtigen Lage empfanden sie den Hohlraum weniger als Vorzimmer zur Hölle denn als paradiesischer Ort, um sich einigermaßen zu erholen.
»Das war schlimmer als alles, das ich je erlebt habe«, keuchte Aleksandra Gugic schließlich. »Ich habe nicht mehr geglaubt, dass wir es schaffen.« Sie spuckte nochmals aus, fuhr sich mit dem Unterarm über den Mund – der eklige Geschmack war einfach nicht mehr loszukriegen. Plötzlich spürte sie, wie Hände über ihren Oberkörper tasteten, doch bevor sie etwas erwidern konnte, drang ein Lichtkegel durch die Dunkelheit.
»Entschuldigen Sie«, sagte Peter Händler. »Meine Tauchlampe ist zersprungen, Ihre hingegen funktioniert noch. Gut, dass wir sie an den Tauchwesten befestigt haben. Und seltsamerweise habe ich noch immer beide Taucherbrillen …« Er reichte ihr eine, dann fügte er, mit Besorgnis in der Stimme, hinzu: »Geht es wieder? Ich würde gerne weitertauchen. Ich will es endlich hinter uns bringen!«
»Hinter uns bringen? Ich dachte, wir haben das Schlimmste hinter uns.« Sie sah im Schein der Tauchlampe, wie er den Kopf schüttelte.
»Die Strömung ist ungewöhnlich stark. Eine solche bin ich selbst noch nie getaucht. Schon gar nicht in einer Höhle. Außerdem macht mir dieses verdammte Hubschrauberwrack sorgen. Wenn es sich an einer ungünstigen Stelle verkeilt und uns den Weg versperrt … andrerseits … eine Rückkehr ist bei dieser Strömung undenkbar!«
Sie war froh, dass er in der Dunkelheit ihre Besorgnis nicht wahrnehmen konnte. So nickte sie nur schweigend und tastete nach ihrem Atemregler, um dessen Funktionsfähigkeit zu testen.

Die Operation hatte sich zu einem Desaster entwickelt.
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