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Alt 31.10.2019, 13:53
Egbert offline
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Standard Die Österreichische Adria Ausstellung 1913

Am traditionellen Ausstellungsgelände, rund um die zur Weltausstellung 1873 erbauten Rotunde im Wiener Prater, fand von 3. Mai bis 5. Oktober 1913 die Österreichische Adria Ausstellung statt. Sie war täglich von 10 bis 2 Uhr in der Nacht geöffnet, der Eintritt kostete 60 Heller. Die von der Regierung reichlich subventionierte Veranstaltung stand unter der Patronanz von Erzherzog Franz Ferdinand, der die Ausstellung persönlich eröffnete.

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„Ritter und Meerjungfrau“, das offizielle Plakat zur Ausstellung wurde von Kurt Libesny gestaltet. Der österreichische Ritter, mit Doppeladler auf dem Schild, rettet die Meerjungfrau – wohl ein Symbol für die noch „jungen“ Kronländer an der Adria. Die Szene ist geprägt von der Farbsymbolik schwarz-gelb, den Farben des Kaisertums.

Die auf Privatinitiative zurückzuführende Ausstellung sollte an die hundertjährige Zugehörigkeit des Küstenlandes und Dalmatiens zu Österreich erinnern und dem Publikum die kommerzielle, kulturelle und militärische Bedeutung dieser Kronländer näher bringen, zu deren Aufblühen beitragen und Interesse für die Seefahrt wecken. Im Originalton der zeitgenössischen Presse: „Sie sollte werktätige Propaganda für unsere Adrialänder, deren wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung sowie deren Fremdenverkehr sein, unseren Anteil am Weltmeer und am Weltverkehr sowie die reichen Schätze an landschaftlicher Schönheit, an Kunst- und Baudenkmälern aufzeigen, und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit der südlichen Kronländer mit dem Zentrum des Reiches vermitteln.“ Die Adria-Ausstellung war aber zugleich auch eine Leistungsschau des Staates, und so präsentierte die k.u.k. Kriegsmarine, damals sechstgrößte Kriegsflotte Europas, ihre neuesten Technologien. Eine imaginäre Fahrt in einem Unterseeboot entwickelte sich zum Publikumsmagneten.

Die Adria Ausstellung war wohl eine der schönsten, wissenschaftlich, ethnographisch, wirtschaftlich und künstlerisch interessantesten Ausstellungen, die je in Wien stattfanden. Es ist unmöglich, im Rahmen dieses Artikels alle gezeigten Attraktionen der 439 Aussteller anzuführen. Der um 80 Heller erwerbbare Ausstellungskatalog umfasste ohne Inserate 552 Seiten!
In der Rotunde waren Exponate der Kriegs- und der Handelsmarine zu sehen, ebenso vier Dioramen der Südbahn, nämlich der Semmering, Dürrensee, Adelsberg und Triest. Die Besucher wanderten in einem Tunnel an den vier Schaustücken vorbei, man stieg in die Adelsberger Grotte hinab und sah Triest und Schloss Miramare scheinbar von der Anhöhe von Opčina aus. Triester Reedereien hatten in der Rotunde einen innen begehbaren Globus mit 10 m Durchmesser erbauen lassen, von einem erhöhten Platz in der Mitte hatte man Rundblick über den ganzen Erdball, dessen Kontinente als kolorierte Reliefs dargestellt waren. Auf den Meeren waren die Schiffahrtslinien eingezeichnet, auf denen durch mechanische Vorrichtungen Miniaturschiffe der österreichischen Handelsmarine weiterbewegt wurden, so dass nachvollziehbar war, wo sich welches Schiff gerade befand. Im „Marine Kino“ zeigte die Reederei Austro-Americana den heute verschollenen Film „Eine Fahrt von Triest nach Südamerika auf dem Dampfer Kaiser Franz Josef I.“ und in der Abteilung Schiffsmaschinenbau präsentierte die Werft Cantiere Navale Triestino ein funktionsfähiges Modell eines Schwimmdocks mit einem 1½ m langen Schiffsmodell sowie ein Gesamtmodell der Werft von Monfalcone.

Als Ausstellungsbauten wurden einige der kunst- und kulturgeschichtlich wertvollsten Baudenkmäler Dalmatiens und des Küstenlandes errichtet, so z.B. ein Türkenhaus in Buccari, eine kleine Moschee, das Landhaus von Capodistria, das Rathaus von Spalato, Häuser von Alt-Abbazia, der Rektorenpalast von Ragusa, Patrizierhäuser von Sebenico, Trau und Cattaro.

Seltene Volksbräuche, typische Trachten und szenische Darstellungen wie z.B. das Volksgericht in Alt-Ragusa, die Königswahl in Bibinje oder eine Hochzeit auf Lastva boten den Besuchern Einblick in das kulturelle Leben. Dazu kamen eine archäologische „Exposition“, die Abteilungen Jagd und Fischerei, Tiefseeforschung und Meteorologie, Flora (Karstaufforstung) und Fauna (für die extra 60 Kubikmeter Meerwasser aus Triest herangebracht wurden), Rettungswesen und Hygiene, Bäder und Kurorte.

Das Arbeitsministerium gab den Bau des Musterhotels „Dalmatia“ in Auftrag, dessen Verbreitung dem infrastrukturell unterentwickelten Kronland einen touristischen Aufschwung bescheren sollte. Auch andere Behörden und Institutionen leisteten ihren Beitrag: Das Handelsministerium ließ für die Dauer der Adria Ausstellung ein eigenes Post- und Telegrafenamt mit Telefonzellen installieren, das im Landhaus von Capodistria untergebracht und durch halbstündige Botengänge und zwei Karriolfahrten pro Tag mit dem Postamt Wien 28 verbunden war. Die k.k. Tabakregie zeigte in ihrem Pavillon den Anbau und die Verarbeitung von Tabakpflanzen und eine Maschine produzierte vor Ort täglich 200.000 „Adria-Zigaretten“. Das militärgeografische Institut und die geologische Reichsanstalt gaben Einblicke in ihre Arbeit, die k.k. Staatsbahn führte Sonderzüge zur Ausstellung, deren Lokomotiven mit großen Tafeln auf der Rauchkammer versehen und mit Wimpeln geschmückt waren.

Daneben waren aber auch Firmen vertreten, die mit der Adria so gut wie nichts zu tun hatten. Als Beispiele seien die Maschinenfabrik und Kesselschmiede Heinrich Lanz und die Schuhcremefirma von Karl von Schmoll genannt. Kritik regte sich vielerorts auch am angebotenen Ramsch, der „Fressmeile“ und den unzähligen Vergnügungseinrichtungen, die ebenfalls keinen Bezug zur Adria aufwiesen. Zu einem Zerwürfnis zwischen dem Fremdenverkehrsverband von Wien und Niederösterreich und der Ausstellungsleitung kam es, weil sich diese nicht an den Kosten für die Werbung, die der Fremdenverkehrsverband für die Ausstellung gemacht hatte, beteiligen wollte: Der Aufwand eine illustrierte Propagandabroschüre und Werbeplakate für die Adria Ausstellung in allen Weltsprachen zu drucken und ins Ausland zu versenden, Komplettprogramme für Gesellschaftsreisen nach Wien zur Adria Ausstellung auszuarbeiten usw. blieb unhonoriert. Der Anteil der ausländischen Ausstellungsbesucher war recht gering; einige Kritiker meinten daher, es wäre sinnvoller gewesen, eine kleine, feine Wanderausstellung ins Ausland zu entsenden. Trotz des total verregneten Sommers 1913 sahen mehr als zwei Millionen Besucher die Ausstellung. Das lag jedoch weit unter den Erwartungen und die Ausstellung endete mit einem Defizit von 400.000 Kronen.
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  #2  
Alt 01.11.2019, 12:04
Konni, im Istrien Forum
Konni offline
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Kroatien Fan seit: 01.12.2009
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Beiträge: 5.227
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Sehr toller Bericht - danke Egbert. Auch dafür hast du von mir bei der Bewertung ***** verdient.

Im WEB habe ich noch gefunden, dass dieses Plakat am 13.12.2017 von Palais Dorotheum in Wien für 450 € versteigert wurde. Wer es ersteigert hat, steht nicht dabei, nur E***V als Bieter.

- - - - -
Viele Grüße aus dem schönen Odenwald

Konni






MEER GEHT IMMER!
Könnte man das Meer einpacken und mitnehmen, hätte ich die Adria schon längst bei mir Zuhause!



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  #3  
Alt 01.11.2019, 17:20
Egbert offline
Kroatien-Fan
 
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Beiträge: 84
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Ich war's nicht ...
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