Istrien Live - ✅ DAS Istrienforum

  #1  
Alt 16.05.2019, 09:32
Egbert offline
Kroatien-Fan
 
Kroatien Fan seit: 13.03.2019
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Standard Die Bahn der Heiligen

1887 wurde die Bahnstrecke Herpelje-Kozina (Hrpelje-Kozina, SLO) – Triest S. Andrea eröffnet. Der Bau der Linie war sehr anspruchsvoll: Auf einer Länge von ca. 20 km war ein Höhenunterschied von fast 500 Metern zu überwinden, wofür sieben Viadukte und fünf Tunnels zu errichten waren. Die neue Bahnlinie zweigte in Herpelje-Kozina von der Istrianerbahn ab und führte in ständigem Gefälle über die Zwischenstationen Draga (Sant‘ Elia), Boršt (San Giuseppe della Chiusa) und Sant‘ Anna in den neu errichteten Endbahnhof Triest Sant‘ Andrea, in der Bucht von Muggia. Wenn man sich die italienische Schreibweise der Ortsnamen anschaut wird klar, warum die Bahnlinie bald den ironischen Beinamen „Linea dei Santi“ („Bahn der Heiligen“) bekam.

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Die neue Bahnlinie sollte die Stellung Triests gegenüber dem ungarischen Hafen Fiume (Rijeka) heben, den örtlichen Bedürfnissen der Stadt Triest dienen, die Verkehrsverhältnisse auf der defizitären Istrianer Bahn verbessern und die Verbindung zwischen dem bedeutendsten Kriegshafen der österr.-ungarischen Monarchie, Pola (Pula), und dem wichtigsten Handelshafen, Triest (Trieste), abkürzen. Nicht zuletzt sollte sie das Monopol der Südbahn im Triest-Verkehr brechen, deren Gleise von Wien aus die Stadt schon im Jahr 1857 erreicht hatten. Die neue Linie wurde der Istrianer Staatsbahn zugerechnet. Mit der Errichtung der Strecke Herpelje – Triest bestand nun ein zusammenhängendes Staatsbahnnetz vom Haupthafen an der Adria bis an die nördliche Grenze der k.u.k. Monarchie. Allerdings wurde der ca. 100 km lange Abschnitt Divača – Laibach (Ljubljana) der Südbahnstrecke im Péage-Verkehr befahren, d.h. die k.k.Staatsbahn musste für die Mitbenützung dieses Abschnitts eine Gebühr an die Südbahn-Gesellschaft bezahlen.

1906 erreichte eine weitere neue Staatsbahnlinie, von Aßling (Jesenice) her kommend über Görz (Gorizia) und Opčina (Opicina) Triest, deren umgangssprachliche Namen „Transalpina“ oder "Wocheinerbahn" manchem geläufig sind. Dafür wurde in Triest ein prächtiger "Staatsbahnhof" errichtet, der auch als Endpunkt der Herpelje-Bahn und der schmalspurigen Lokalbahn Triest – Buje – Parenzo (Poreč) fungierte. Heute beherbergt der ehemalige Bahnhof das sehenswerte Triester Eisenbahnmuseum, das allerdings derzeit (2019) wegen umfassender Renovierungsarbeiten geschlossen ist.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Herpeljebahn von den Italienischen Staatsbahnen betrieben, nach dem Zweiten Weltkrieg zerschnitt die Grenze zwischen den damals verfeindeten Staaten Jugoslawien und Italien die Bahnlinie. Kommunikative Strukturen zwischen Ost und West waren nicht erwünscht, und so wurde der Gesamtverkehr auf der Strecke mit 1. Jänner 1959 vorläufig eingestellt. Die endgültige Einstellung erfolgte mit 1. Jänner 1960.

Die ehemalige Trasse der Herpeljebahn durch das Rosandra-Tal ist wohl einer der landschaftlich reizvollsten Rad- und Wanderwege in Istrien. (https://www.discover-trieste.it/code/15938/Rosandra-Tal)

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Quelle: „Eisenbahnen in Istrien“, Wien 2017
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  #2  
Alt 16.05.2019, 19:19
Konni, im Istrien Forum
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Schon interessant, was es früher alles an Verkehrsanbindungen gab. Schade, dass es dies nicht mehr gibt.

Wir wollten einmal eine Zugfahrt von Pula nach Rijeka unternehmen, aber das ist sehr umständlich, da es keine direkte Verbindung gibt. Wir hätten zuerst von Pula nach Kozina bzw. Rakitovec fahren müssen, dort dann Umsteigen in den Zug nach Rijeka. Natürlich Wartezeiten am besagten Bahnhof in Slo, bis der Anschlußzug kam. Die Fahr- und Wartezeiten waren auf jeden Fall extrem lange. Die genaue Anzahl an Stunden, wie lange wir unterwegs gewesen wären, wissen wir nicht mehr. Ist schon einige Jahre her, als wir dies planten. Haben es dann auch sein lassen.

Danke Egbert, für diesen Bericht

- - - - -
Viele Grüße aus dem schönen Odenwald
Konni






MEER GEHT IMMER!
Könnte man das Meer einpacken und mitnehmen, hätte ich die Adria schon längst bei mir Zuhause!



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  #3  
Alt 16.05.2019, 22:37
Egbert offline
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Kroatien Fan seit: 13.03.2019
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Ja, der Zugverkehr in Istrien ist schon ein trauriges Kapitel!

Wenn man bedenkt, wieviele hochwertige Züge einst die Pulastrecke befuhren oder sich die Bilder aus jenen Tagen anschaut (natürlich auch an dieser Stelle wieder der "ganz subtile" Hinweis auf mein Buch "Eisenbahnen in Istrien - einst und heute") und mit den verwaisten Bahnhöfen und den wenigen verbliebenen Dieseltriebwagen von heute vergleicht, kann man schon wehmütig werden.

Ich werde weiterhin versuchen, euch zu der Thematik "Bilder in den Kopf zu pflanzen"...
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  #4  
Alt 17.05.2019, 10:42
Lapinkulta offline
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Umso trauriger ist dieses Kapitel wenn man bedenkt, wie sehr man versucht, Verkehr von der Straße zu bekommen.

Eine leistungsfähige Strecke Koper - Pazin - Pula - Rijeka mit einigen Stichbahnen zur Küste könnte einen Teil des alljährlichen Urlaubsverkehr aufnehmen.

Aber dafür müsste man wahrscheinlich zu viel Geld in die Hand nehmen........

- - - - -
„Weil Denken die schwerste Arbeit ist, die es gibt, beschäftigen sich auch nur wenige damit.“

Henry Ford
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  #5  
Alt 17.05.2019, 15:16
Egbert offline
Kroatien-Fan
 
Kroatien Fan seit: 13.03.2019
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Lapinkulta, dein Wunschgedanke ähnelt einem Traum von einem warmen Eislutscher.
Die Strecke Divača - Koper ist an ihrer Leistungsgrenze angelangt, aber die Pulastrecke ist latent einstellungsgefährdet. Der Güterverkehr wurde von der HŽ "vorübergehend" eingestellt, und waggonbespannte Züge nach Pula gibt es auch nicht mehr. Meines Wissens sind in Istrien noch acht Triebwagen stationiert, die den Gesamtverkehr bewältigen.
Dazu ein paar Angaben zur Zahl der im Bahnhof Pula abgefertigten Reisenden:
1960: 145.262
1971: 240.541 (Daten von 1970 nicht verfügbar)
1980: 255.658
1990: 289.200
2000: 36.745
2010: 46.721
Allerdings ist die Talsohle überschritten und die Zahlen steigen wieder, vor allem der Personenverkehr im Süden Istriens hat zugelegt.

Zu deinem Wunsch nach "Stichbahnen zur Küste": Die Raša-Linie ist seit 2009 unterbrochen und wird mangels Rentabilität auch sicher nicht mehr in Betrieb genommen, die Bahn nach Rovinj wurde schon 1966 auf dem Altar der Straßenmotorisierung geopfert. Diese Trasse hätte vielleicht in den Sommermonaten noch das Potential allfällige Touristenströme aufzunehmen, die Rentabilität wäre meines Glaubens aber (umgelegt auf ein ganzes Jahr) trotzdem nicht gegeben.
In der Streckenbiografie des Museums Rovinj, anlässlich einer Ausstellung zum Thema „Die Eisenbahnstrecke von Kanfanar nach Rovinj“ heißt es
„Es gab mehrere Initiativen zur Wiederaufnahme des Verkehrs, die jedoch ergebnislos geblieben sind. Diese Möglichkeit bestünde immer noch, da die Streckentrasse erhalten geblieben ist und auch in der Raumplanung darauf geachtet wird, einen Korridor für die Trasse zu reservieren.“
Allerdings hat der Bau des "Istarski -Y", der Autobahn in Istrien, die Chancen dazu sicher minimiert.
Träumen wir also weiterhin gemeinsam von warmen Eislutschern ...
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  #6  
Alt 17.05.2019, 19:09
Lapinkulta offline
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Daß ich hier vom sprichwörtlichen warmen Eislutscher träume, ist mir klar.

Aber zum träumen höre ich erst auf, wenn ich tot bin

- - - - -
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Henry Ford
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  #7  
Alt 17.05.2019, 19:42
doktorgatte, im Istrien Forum
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Was ist denn ein "Warmer Eislutscher"? Habe ich noch nie gehört!

- - - - -
LG, der Kay
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  #8  
Alt 17.05.2019, 23:49
Egbert offline
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Warme Eislutscher steht als Synonym für Dinge, die nicht existieren; Wunschträume also.
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  #9  
Alt 18.05.2019, 12:08
doktorgatte, im Istrien Forum
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DANKE!

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LG, der Kay
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  #10  
Alt 18.05.2019, 13:13
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Nichts trennt Österreicher und Deutsche mehr als die gemeinsame Sprache

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Henry Ford
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  #11  
Alt 19.05.2019, 13:25
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Nichts trennt Österreicher und Deutsche mehr als die gemeinsame Sprache

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LG, der Kay
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