Istrien Live - ✅ DAS Istrienforum

  #1  
Alt 22.08.2019, 11:46
Egbert offline
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Standard Lussin - ein wirtschaftlicher Sonderfall

1814 kamen die zuvor zu Dalmatien zählenden äußeren Kvarnerinseln mit Cherso (Cres), Veglia (Krk) und Lussin (Lošinj) sowie die kleineren Inseln westlich davon zum Österreichischen Küstenland. Wie Istrien waren auch die Inseln durchwegs agrarisch ausgerichtet. Der Grundbesitz der Bauern wurde aber nicht einem einzigen Nachfolger vererbt, sondern auf alle Erben aufgeteilt. Das bedeutete, dass sich der Landbesitz der meist recht kinderreichen Familien ständig verkleinerte. In den Küstenregionen betätigten sich deshalb immer mehr Bauern – sozusagen im Nebenerwerb – auch als Fischer. Auf der Insel Lussin allerdings entwickelte sich die Fischerei für viele Bauern zum Hauptberuf. Die eingesalzenen, und so konservierten Fische wurden oft über weite Entfernungen gehandelt, was durch die zentrale Lage Lussins zwischen Istrien und dem dalmatinischen Festland begünstigt wurde. Von den Zielhäfen wurden andere Waren mitgenommen. Auf Grund des guten Geschäfts entwickelte sich so der Warentransport allmählich zum Haupterwerb: Aus den Fischern Lussins waren Seeleute geworden.

Die Schiffe aus Lussin waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits im gesamten Mittelmeer anzutreffen. Auf Lussin gab es Reedereien, eine nautische Schule, Schifffahrtsversicherungen und Werften. Im gesamten Küstenland spielte die Schifffahrt nur in Triest eine größere Rolle als auf Lussin. Von 1853 bis 1890 wurden in den Werften von Lussinpiccolo 250 „Segelschiffe weiter Fahrt“ mit über 100.000 Tonnen Tragfähigkeit gebaut. Interessanter Weise fällt dieser Aufstieg in eine Zeit, als Dampfschiffe den Segelschiffen immer mehr Konkurrenz machten. Der schnellere und sicherere Transport per Dampfer konnte vorerst aber die Stellung Lussins nicht gefährden: Seine Schiffe segelten bis in den Nordatlantik und die Nordsee, vereinzelt sogar bis nach Nord und Südamerika.

Die Schiffe, die die sechs Werften Lussins mit einer Gesamtbelegschaft von 650 Arbeitern bauten, wurden nicht nur von den heimischen Reedereien beschafft. Fast die ganze Bevölkerung der Insel lebte in irgendeiner Form von Seefahrt und Schiffbau und etliche Familien brachten es dadurch zu großem Wohlstand.

Ab den 1870er Jahren wurde der Druck der Konkurrenz aber zu groß: Die Technik der Dampfschiffe wurde immer zuverlässiger, der Transport per Dampfer wurde billiger als per Segelschiff und durch das Verbot von Seglern im neuen Suezkanal wurden die Dampfschiffreedereien immer mächtiger. Zwischen 1885 und 1890 wurden nur mehr 27 Schiffe mit zusammen 3.123 Tonnen gebaut, darunter drei eiserne Hochseeschiffe. Zwar begannen in den 1880er Jahren einige Lussiner Reeder noch mit der Dampfschifffahrt und die größte Werft der Insel stellte 1885 das erste Dampfschiff her, doch der verlorene Vorsprung war nicht mehr aufzuholen. Die meisten Werften beschäftigten sich nun hauptsächlich mit Reparaturen, nur ab und zu wurden neue Küstensegler auf Kiel gelegt. Viele Werftarbeiter und Seeleute wurden arbeitslos und etliche zogen nach Triest oder Fiume (Rijeka), um dort eine neue Arbeit zu finden, andere wanderten nach Amerika aus. Mit dem wirtschaftlichen Sonderfall Lussin war vorüber.
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  #2  
Alt 22.08.2019, 15:46
Wolfram, im Istrien Forum
Wolfram offline
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Diesmal ein extrainteressanter Bericht. Wir haben 14 Jahre lang, meist mehrmals im Jahr, unseren Urlaub auf Lošinj verbracht. Begonnen hat dies mit unserer Hochzeitsreise. Wir kannten auch eine dieser alteingesessenen Kapitänsfamilien, leider ging dieser Kontakt in dem letzten Jahren verloren.

- - - - -
Beste Grüße aus Wilhelmsfeld
Wolfram

Wer seine Ansicht mit anderen Waffen als denen des Geistes verteidigt,
von dem muss ich voraussetzen, dass ihm die Waffen des Geistes ausgegangen sind!

(Otto von Bismarck)

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  #3  
Alt 26.08.2019, 11:40
Konni, im Istrien Forum
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Wie Wolfram schon geschrieben hat, für uns noch interessanter als alle anderen. Lošinj ist eine sehr schöne Insel.
Vielen herzlichen Dank lieber Egbert, für diesen Bericht,

Der Sohn der Kapitänsfamilie, Goran, hat noch einige Jahre kleine Boote vermietet. Mit diesen Booten haben wir einmal angefangen. 1994 als wir das erste Mal auf dieser Insel waren, gehörte der Bootsverleih noch Gorans Papa.

Als wir dann nach vielen Jahren im April 2015 wieder einmal einen einwöchigen Urlaub dort verbrachten, hat Goran aber seinen Bootsverleih weitgehend eingestellt. Wir bekamen aber noch eine 8m lange Elan von ihm, die zwar auch schon in die Jahre gekommen war, aber um zu den Nachbarinseln Susak, Unije, Male und Vele Srakane zu fahren und zum angeln war dieses Boot noch völlig ausreichend für uns.

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Viele Grüße aus dem schönen Odenwald
Konni






MEER GEHT IMMER!
Könnte man das Meer einpacken und mitnehmen, hätte ich die Adria schon längst bei mir Zuhause!



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