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Alt 11.07.2019, 16:26
Egbert offline
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Standard Das k.u.k. Seearsenal - der größte Arbeitgeber in Istrien

Istrien war auch zur Zeit der österreichischen Herrschaft durchwegs agrarisch geprägt. An landwirtschaftlichen Produkten wurden aber nur Wein, Olivenöl und Meersalz aus Istrien ausgeführt. Andere Exportgüter waren Steinkohle, Bauxit, Stein, Ziegel, Kalk, Brenn- und Bauholz.
Istriens Industrie bestand 1907 aus nur 21 Fabriken, vorwiegend Kleinbetrieben. Größere Unternehmen waren nur die Tabakfabrik und die Chemie- und Destillationsfabrik in Rovigno sowie Konservenfabriken in Isola.

Das offiziell 1856 gegründete k.u.k. Seearsenal entwickelte sich im Lauf der Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum größten Arbeitgeber in Istrien. Im Jahr 1884 waren etwa 2500 Menschen dort beschäftigt, im Jahr 1900 waren es rund 3000, im Jahr 1908 schon ungefähr 3800 und 1918 sogar mehr als 4600. Die Arsenalarbeiter waren nicht Angehörige der Kriegsmarine, sondern zum großen Teil vertraglich bei der Marine definitiv angestellte Zivilarbeiter. Somit hatten diese Werftarbeiter, Tischler, Bootsbauer, Böttcher, Schlosser, Mechaniker, Dreher, Anstreicher, Magazinarbeiter, ... Lehrlinge und Hilfskräfte auch Anspruch auf Altersversorgung, Kranken- und Unfallversicherung, was sie gegenüber den privat beschäftigten Arbeitern und Taglöhnern in der Stadt privilegierte. Zwar waren die Löhne im Seearsenal nicht so hoch wie beispielsweise in den Werften Triests, doch kam man als Beschäftigter im Arsenal in den Genuss verschiedener Sozialleistungen. In Hinblick auf die hohen Mietpreise in Pola konnte sich jeder Arbeiter glücklich schätzen, wenn er eine der 475 günstigen Wohnungen in einem der 23 Marine-Arbeiterwohngebäude in San Policarpo erhielt. Die Kinder der Arsenalarbeiter konnten unentgeltlich den Marinekindergarten und die k.u.k. Volks- und Bürgerschule besuchen, Jugendlichen stand die Lehrlingsschule der Marine offen. Gratisbenützung der Marieschwimmschule und das Marinekonsummagazin fielen ebenfalls ins Gewicht. Einige Frauen von Arsenalarbeitern fanden Arbeit durch das Marinebekleidungsamt, das ca. 400 Menschen in Heimarbeit beschäftigte.

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Name:	Pola Brücke Oliveninsel 1913.jpg
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Die Ansichtkarte von 1913 zeigt den Blick von der 1884 fertiggestellten und am 17. Februar 1945 bei einem amerikanischen Luftangriff zerstörten Gitterbrücke hin zum Konstruktionsarsenal auf der Oliveninsel (heute Uljanik-Werft).

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Istrien an Italien. Mit dem Ende der Habsburgermonarchie, der Demobilisierung des gewaltigen Militärapparats in Pola und der Räumung der Stadt von deutschsprachiger Bevölkerung begann der Niedergang der Stadt. Die Schließung des Seearsenals machte tausende Menschen arbeitslos, die wirtschaftliche Situation der Region war äußerst schwierig und konnte von der politischen Administration nicht wiederbelebt werden. 1921 wurden die Anlagen auf der Oliveninsel privatisiert, doch betrug die Zahl der bei der Werft Scoglio Olivi Beschäftigten bis 1928 erst 180. Die Strukturen des einstigen Ausrüstungsarsenals auf dem Festland waren viel größer als der Bedarf der italienischen Marine, deren Hauptkriegshäfen La Spezia und Tarent waren, und daher war die Zahl der für die italienischen Marine tätigen zivilen Arbeitskräfte in Pola auch nie sehr hoch.

Geändert von Egbert (12.07.2019 um 06:51 Uhr)
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